Atzenkommune Berlin - Schluss nach drei Jahren
"Ey, was ist denn die Atzenkommune?" Atzenkommune Berlin, das war der Namenszug, der damals unsere schwarzen Kapuzenpullover schmückte. Es war der 10. Spieltag der Saison 2007 / 2008, das erste Auswärtsspiel unserer zehn Mann starken Gruppe unter eigenem Namen. Wir befanden uns alle im Regio auf dem Weg nach Bremen, als mir diese Frage von unserem Vorsänger gestellt wurde. Die Leute im Hintergrund lachten und ich stammelte eine Antwort zusammen.

Anfangs belächelt, merkten die anderen Leute scheinbar schnell, dass in uns doch etwas Potenzial steckte. Aus dem Nichts wurden wir nach nur fünf Monaten Bestehen im Stadion zur Sektionsparty der Harlekins eingeladen. Das war damals ein Ding!

Der Kontakt zur aktiven Szene wurde danach schnell immer stärker. Besonders über den Förderkreis Ostkurve gibt es viele Möglichkeiten sich einzubringen und etwas bekannter zu werden. Die Leute suchten mit uns das Gespräch und wir mit ihnen. Unseren "großen" Auftritt hatten wir beim 3. Remember Benny Cup im Jahre 2008, bei dem wir überraschend Zweiter wurden. Weiter ging es mit einer Einladung zur Party des 5-jährigen Bestehens der Hauptstadtmafia und der Einladung zur FKO-Vorstandssitzung. Außerdem verstärkte sich die Gruppe mit neuen Mitgliedern und so nahm unsere Entwicklung in nur sehr kurzer Zeit ihren Lauf, bis wir nach anderthalb bis zwei Jahren an unserem maximalen Höhepunkt angelangt waren. Wir durften im Bus der Harlekins mitfahren und unsere Fahne fand ihren Platz im Stadion unten neben den Dynamic Supporters.

Wir als Gruppe wurden allerdings vor neue "Probleme" gestellt. Die ersten Mitglieder bekamen eine Probezeit bei den Harlekins angeboten, andere etwas später bei den Dynamic Supporters. Zum Übel der Gruppe konnte keines der Mitglieder ein Angebot ablehnen, wodurch wir immer wieder ziemlich herbe Rückschläge erlitten, auch wenn weiterhin neue Mitglieder hinzukamen.

So ging es weiter bis es vor kurzem wieder einen solchen Rückschlag gab und wir leider einsehen mussten, dass wir so auf Dauer nur auf der Stelle treten und ein Fortbestehen der eigenen kleinen Gruppe deshalb keinen Sinn mehr macht.

Nach dem 3. Spieltag der Saison 2010 / 2011, dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld, gilt unsere Gruppe deswegen als aufgelöst, doch in unserem Herzen wird sie immer weiter bestehen und wir werden weiterhin immer alles für Hertha geben!

Ein Dank gilt allen Leuten, die diese Gruppe gelebt und geprägt haben! Es war eine geile Zeit!
Atzenkommune Berlin - Ein mahnendes Beispiel
Dass es so viele Gruppen gibt, ist ein Phänomen, das bei Hertha scheinbar so stark ausgeprägt ist, wie nirgendwo sonst in Deutschland. Viele Herthafans, die etwas aktiver und "Teil der Fanszene" werden möchten, sehen sich vor das Problem gestellt, dass es keine offene große Gruppe gibt, der jeder beitreten kann. Welche Möglichkeiten der Förderkreis Ostkurve bietet, ziehen viele nicht in Betracht. Für viele junge Fans scheint es bei der Fülle an Gruppen fast unnatürlich und uncool als einfacher Herthafan mit Herthaschal in der Kurve zu stehen. Erst mit Gruppenpullover und eigenem Schal scheint man vollkommen zu sein.

Jeder muss natürlich selbst wissen, wie er sein Fandasein am liebsten ausleben und was er in und mit der Fanszene erreichen möchte. Aufgrund unserer dreijährigen Geschichte und den Erfahrungen, die wir in dieser Zeit gesammelt haben, möchten wir euch allerdings dringend von dem Weg der Gruppengründung abraten. Im ersten Moment ist es der einfachste Weg und man fühlt sich bestätigt, aber mit der Zeit wird jede kleine Gruppe, die Anerkennung in der Fanszene findet, auf ähnliche Probleme stoßen wie wir.

Der Arbeitsaufwand und der finanzielle Aufwand einer eigenen Gruppe sind enorm. Das ist Energie, die ihr viel lieber in den Förderkreis Ostkurve stecken solltet. So erreicht ihr mehr für unseren Verein Hertha BSC, z.B. indem ihr beim Choreografie Anfertigen helft, zum Maltag kommt oder regelmäßig den Stammtisch besucht.

Man wird als Einzelperson oder kleiner Freundeskreis vielleicht nicht sofort auffallen, aber es ist auf lange Sicht der klügere Weg und mit Einsatz und Engagement schafft man es auch Mitglied einer bestehenden Gruppe zu werden. Jeder muss sich selbst hinterfragen, welche persönlichen Ziele mit welcher Gruppe am besten erreicht werden können und wie jeder aktiv mitwirken kann in der Fanszene von Hertha BSC.
Atzenkommune Berlin im September 2010